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Angriff und Verteidigung – was war zuerst?

Eine nackte Wahrheit gibt es hier nicht. Vor allem bringt uns die Frage einer echten Lösung, d.h. einer Lösung, die die Würde aller Beteiligten wahrt und damit Nachhaltigkeit in Aussicht stellt, nicht näher.

Wenn ich mit Führenden arbeite, die an der Schwelle zum Bewusstsein von Allverbundenheit stehen, beschäftigt sie oft eine verwandte Frage:

Wo liegt die Lösung in einem Konflikt, 
wenn ich meinen Standpunkt nicht aufgeben und gleichzeitig Frieden und Verbindung will? 

Je mehr uns ein Konflikt unter die Haut geht, umso sicherer landet unser linearer Verstand mit dieser Frage in einer scheinbar unlösbaren Schleife. 

Und die Frage bleibt legitim.

Lasse ich ihre zweite Prämisse fallen und verfolge nur meinen eigenen Standpunkt, ist die Antwort simpel: Ich setzte alle mir zur Verfügung stehenden Mittel ein, um Recht zu behalten und mich durchzusetzen. Schon mal erlebt?

Oder umgekehrt – ich kündige mir selbst die Treue und setze alle meine Pferde auf äußere Harmonie. Um jeden Preis. Und dieser Preis bin ich. 

Weisst Du, wie sich das anfühlt?

Sind jedoch Treue zu mir selbst und Frieden und Verbindung mit anderen Beteiligten gleichermaßen das Ziel, glaubt offenbar etwas in mir zumindest daran, dass beides zusammen möglich ist. Doch solange ich mit rein linearem Denken antrete, verzettele ich mich zwischen dem Bedürfnis, mir selbst treu zu sein, und dem ebenso großen Wunsch nach Frieden.

Was jedoch, wenn dieser Frieden niemals im Außen entsteht, sondern tatsächlich immer nur Wirkung und Ergebnis ist – dessen, was in uns selbst individuell und kollektiv aktiv ist? 

Weil nämlich nichts in dieser Welt wirklich linear, sondern auf unzählige, hochkomplexe Weisen vernetzt und verbunden ist.

Und was, wenn jedem Krieg die Luft ausgeht, sobald wir Angriff UND Verteidigung in uns selbst auflösen? 

Denn beide sind zwei Seiten einer Medaille und repräsentieren ein und dieselbe Energie. Und die heißt Angst.

Wer das hier liest, für den ist es nichts Neues, dass alles Äußere seine Quelle im Innen hat. Somit ist auch jede Form von Konflikt und Krieg immer ein Ergebnis, eine Wirkung unserer inneren Zustände. Niemals umgekehrt. 

Und gleichzeitig kapitulieren wir im gelebten Alltag regelmäßig an der Stelle, an der ein Konflikt wirklich weh tut. Und wir gehen – je nachdem, wie wir gestrickt sind – in den Angriff oder die Verteidigung.

Wie also beende ich Angriff und Verteidigung in mir selbst 
– und zwar genau dann, wenn es an mein Eingemachtes geht?

Ich habe darauf keine simple und auch nicht die eine Antwort.

Doch es gibt eine Art Koordinatensystem für den Weg in Deine eigene, authentische und äußerst machtvolle Antwort – statt Reaktion – in jeder Situation.

Ein erster Orientierungspunkt ist die Frage: Wo in mir selbst existieren Angriff und Verteidigung? Wen verurteile ich? Welche Ängste, Zweifel und Befürchtungen hege ich in meiner Gedanken- und Glaubenswelt in Bezug auf einen konkreten Konflikt? Oder vielleicht sogar grundsätzlich. 

Sobald mir das mental bewusst ist, habe ich die Möglichkeit, meine körperliche Reaktion auf diese konkreten Gedanken und Glaubenssätze wahrzunehmen. Spüre ich Druck im Unterleib? Einen Kloß im Hals? Enge im Brustraum? Vielleicht nehme ich mich gerade nur im Kopf wahr – oder gar nicht(*)? Was Dein Körper Dir damit grundsätzlich sagt ist: “Es ist Zeit für ein Upgrade in Deinem eigenen System.” Seine Symptome sind die Sprache, mit der er Dich einlädt – in eine größere Version von Dir. 

Im Sprung

Dieser Moment ist ein Sprungbrett. Er bietet mir an, die Ebene (meines Bewusstseins) zu wechseln. Hier erhöht sich meine Wahrnehmungsfähigkeit. Meine Perspektive weitet sich. Und meine Entscheidungs- und Handlungsspielräume dehnen sich aus. 

Dies ist nicht mehr dieselbe Ebene, auf der mein Konflikt entstand. Hier werde ich souveräner, klarer und liebevoller zugleich. 

Hier liegt die Antwort, die mir selbst die Treue hält UND für Frieden sorgt. 

Hier existiert die Lösung, die der Konflikt tatsächlich erst ans Licht bringt und ermöglicht. 

Wie meistere ich dieses metaphorische Sprungbrett?

Indem ich mindestens und konsequent lerne, den Emotionen, die meinen Körper in einem Triggermoment durchfluten, wach zu begegnen und ihnen standzuhalten – ohne darauf zu reagieren. Ich lenke mich nicht ab. Ich stelle mich nicht taub. Und ich projiziere nicht nach außen. Ich halte die Stellung und fühle. Tränen. Zittern. Schweißausbrüche. Ich bleibe. Kein Fight-Flight-Freeze mehr mit mir selbst. Ich bin das mitfühlende, stille, beobachtende Auge inmitten meines eigenen, inneren Sturms. Und ich antworte mir selbst mit Ruhe, Offenheit, Zuwendung und Präsenz.

Im Ergebnis dieser inneren Begegnung werden meine Antwort, die die Integrität aller Beteiligten ehrt, und mein nächster Schritt offensichtlich. Manchmal innerhalb von Minuten.

Ein Ebenenwechsel ist keine Option für Weicheier. Er verlangt Mut und Verletzlichkeit – die Fähigkeit, Unsicherheit auszuhalten, die Bereitschaft Risiken einzugehen und sich emotional zu öffnen. 

Denn wir geben die Kontrolle über das Ergebnis eines Konfliktes und über alle anderen Beteiligten auf. 

Wir gewinnen stattdessen eine innere Souveränität und Scharfsinnigkeit, die auf die Frequenz der Lösung unseres Konfliktes programmiert ist. 

Und wir landen in der Gewissheit über unseren nächsten, wirksamen Schritt.

Für unsere Schritte im Neuen Jahr 2026 in unseren Ehen, Familien, Unternehmen oder in der gesamten Weltordnung gilt damit überall das gleiche Prinzip – dort, wo Menschen beteiligt sind, liegt unsere Wirksamkeit in der erfolgreichen Beantwortung der oben gestellten Fragen und darin, uns mutig und unwiderruflich den Konflikten in uns selbst zu stellen und sie dort – und damit an der Quelle – zu lösen. Und zwar grundsätzlich, bevor wir Schritte im Außen unternehmen. Damit potenziert sich unsere Wirksamkeit.

Der Punkt, an dem sich das Blatt zu unser allen Gunsten wendet, ist der, an dem wir das metaphorische Sprungbrett nutzen und ‚springen‘. Es ist ein erneuerter innerer Zustand – eine Haltung, aus der heraus wir uns nicht mehr verteidigen wollen. Weil wir ein Maß an Sicherheit und Stabilität in unserem Körper-Geist-System etabliert haben, ohne das unser Nervensystem es uns gar nicht erlauben würde, das alte System von Fight-Flight-Freeze zu verlassen und auf Kreativ zu wechseln.

Auf dieser Bewusstseinsebene messen wir Situationen nicht mehr an unserer Sicherheit – denn die ist bereits gegeben – sondern an ihrer Stimmigkeit. 

Und hier wählen wir frei – nämlich das, was eine eindeutig physisch-energetische Resonanz in unseren Körpern erzeugt. Manche nennen es ‘Ganzkörper-Ja’.

Wir sind auf dieser Ebene nicht mehr erpressbar. Und wir verlieren jedes Bedürfnis, andere unter Druck zu setzen. Wir werden schlicht präsent im eigenen Körper in einem Moment. Und wir blicken plötzlich durch. Diese verkörperte Präsenz ist eine Form der Autorität, die ohne Hierarchien und Dogmen auskommt. Sie führt herzzentriert und mit unerschütterlicher Klarheit. 

Sie ist Führung, die Halt gibt UND Kurs hält.

In der Führung

Wer heute führt und Verantwortung für andere Menschen wählt, hat das Potenzial, sein Bewusstsein in diese Ebene hinein zu entwickeln, bzw sich daran zu erinnern. Denn wer in dieser Zeit Führungsaufgaben innehat und sie im kommenden Jahr 2026 halten kann, ist für Führung im Bewusstsein unserer Allverbundenheit gemacht.

Hier bewegen sich Menschen, die am eigenen Leib erfahren haben, dass jede Art von System im Überlebensmodus nicht in der Lage ist, nachhaltige und allgemeinen Wohlstand generierende Lösungen ohne schwerwiegende Nebenwirkungen zu erschaffen. Sie haben gelernt, dass ausschließlich lineares Denken und damit Rechthaben und Schuld Symptome dieser Systeme sind. Und sie wissen, dass es nicht ausreicht, mit einigen Mustern innerhalb eines nicht mehr dienlichen Systems zu brechen. Wir müssen vollständig aus ihm heraustreten. Und das bedeutet Ebenenwechsel.

Intuitives und vernetztes Denken sind das Gegenstück zu linearem Denken und kennzeichnen Systeme, die sich im Bewusstsein unserer Allverbundenheit und damit im Einklang mit dem Leben selbst entwickeln. Die Fähigkeit, in diesem Bewusstsein zu leben und zu führen, nenne ich 

Unity Leadership. 

Führende (**), die mich als Mentorin buchen, erinnern sich an diese Fähigkeit, die grundsätzlich in jedem Menschen angelegt ist. 

Sie werden zu Unity LeaderInnen, die der Entwicklung neuer, allgemein dienlicher Denk-, Handlungs-, Wirtschafts- und Lebens-Systeme bewusst dienen wollen und können.

Unity Leadership ist nicht nur gesellschaftlich, sondern zivilisatorisch relevant. 

Sie ist versöhnende Führung. Denn sie wirkt – gewaltfrei und integer(***) – als nackte Wahrheit von Innen nach Außen. Das tut sie, indem sie zunächst Frieden und Klarheit im eigenen System erschafft. Von hier aus schließt sie Frieden mit dem Leben selbst. 

Frieden mit dem Leben eröffnet ihr die Fähigkeit, den Sinn in jeder Erfahrung zu sehen und den darin enthaltenen Wert anzuerkennen. 

Diese gelebte Wertschätzung wird zur Grundlage all ihrer Entscheidungen und Handlungen.

Unity LeaderInnen werden so mit der Zeit zu visionären Wertschöpfenden
– sie beginnen, in jeder Situation das zu sehen, was möglich wird: ALLES.

(*) Wenn Du Dich im Körper nicht spüren kannst, wisse, dass Deine Körpersprache immer funktioniert. Du weißt es zB, weil Du Hunger, Müdigkeit oder Schmerzen spürst, oder den Drang zur Toilette zu gehen. Nur die feineren Töne Deiner Emotionen nimmst Du vielleicht gerade nicht wahr. Schaffe dafür Raum in Stille und nur für Dich – jeden Tag. Und folge einfach Deinem Atem.

(**) Ein Führender ist in meiner Beobachtung jeder Mensch, der Verantwortung für andere Menschen übernimmt. 

(***) Integrität ist in meiner Erfahrung die tiefe Verbundenheit mit dem eigenen Körper-Geist-Seelen-System und die Verkörperung der Werte, die es ausmachen.

Im Augenblick begleite ich als Mentorin und Beraterin insbesondere europäische Führende – zum einen, weil ich selbst Europäerin bin. Zum anderen sehe ich Europa als historische, geografische, kulturelle, wirtschaftliche und nicht zuletzt mythologische Gemeinschaft, die Okzident und Orient mit einander verbindet. Als solche ist sie mit einer einzigartigen Vielfalt an Kraft-, Kreativitäts-, Wissens- und Weisheitsreserven ausgestattet. Und meiner Beobachtung nach wird sie damit in den kommenden Jahrzehnten einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung und Stabilisierung einer Weltordnung der Zukunft leisten. 

Einen kleinen Einblick in mythologische und entwicklungshistorische Hintergründe Europa’s erhältst Du zB bei TerraXHistory.