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Bewusstseinsstürme und Paradigmenerdrutsche

Es geht um soviel mehr als Krieg oder Frieden – Gestern morgen traf ich meinen ukrainischen Freund Stepan. Er lebt seit vielen Jahren mit Frau und Sohn in Berlin. Und er fährt regelmäßig in die Ukraine – in sein Dorf, zu seinem Haus und zu seiner Tochter mit Familie, die als Ärztin gerade das Land nicht verlassen darf. Und immer nach so einer Reise sitzen wir einen Moment zusammen und reden ein paar Takte über das, was er erlebt hat. Diesmal sagte er mir, die Front sähe inzwischen wie eine einzige Todes-Sackgasse aus. Am Ende dieser Sackgasse stehen die Russen. Am Anfang stehen die Ukrainer, deren Kommandeure immer wieder eine kleine Gruppe Männer in diese Sackgasse hineinjagen. Das Verhältnis russischer zu ukrainischen Soldaten ist in diesen Tagen etwa 100:30. Und alle wissen, von den Ukrainern kommt niemand zurück. Die Armee versucht immer noch überall, wo Dörfer und Städte belebt sind, der Männer habhaft zu werden, die sich verstecken. In die Häuser dürfen sie nicht eindringen. Doch wenn sie einen gesunden Mann auf der Straße sehen, wird er mitgenommen und ist innerhalb weniger Stunden an der Front. Wer Geld hat, hat das Land längst verlassen. Stepan sagt, dies ist ein Krieg der Armen. Im Augenblick kostet die Flucht für einen wehrfähigen Mann aus der Ukraine nach Deutschland 8000 Euro. 

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Zusammen atmen

Stepan und ich atmeten einen Moment zusammen, nachdem er alles gesagt hatte. Und wir waren uns einig, wie absurd die Situation ist. Wir waren uns auch einig darin, dass es sinnlos ist darauf zu hoffen, dass das Töten von den heutigen Leadern beendet wird. Entscheidung und Handlung müssen von den einfachen Menschen kommen. Von denen, die diesen Krieg kämpfen – und dabei alles verlieren. Und von denen wie wir, die drumherum stehen. Alle, die an der Front kämpfen, müssen aufwachen und den Kampf beenden. Alle, die die Kämpfenden in ihrem Kampf unterstützen, müssen aufwachen und die Unterstützung für mehr Kampf einstellen. Ich weiß nicht, wie lange dieses Erwachen braucht. Doch ich bin sicher, dass es darum geht.

Wer den Lead hat

Wofür wird weitergekämpft? Damit Putin nicht noch über die Ukraine hinausgehen kann, meint Stepan. Weil es das sei, was der Westen fürchtet. Weil so viel Geld im Spiel ist, denkt Stepan. Und weil so viele, von diesem Krieg profitieren, sagt er. Ob er Recht hat oder nicht, kann ich nicht sagen. Doch ich weiß mit Sicherheit, dass diejenigen, die vom Krieg profitieren, gerade nicht in den Schützengräben liegen. Ich weiß auch sicher, dass diejenigen, die jetzt im Westen Entscheidungen darüber treffen, aufzurüsten, jede Nacht in warmen Betten schlafen. Und ich glaube, dass unsere Kriege so lange weitergehen, bis die Menschen aufwachen und erkennen, dass sie keine Retter, keine weißen Ritter und keine großartigen Anführer, die unsere Karren aus dem Dreck ziehen, und sogar keine weiteren, großartigen Waffen brauchen. Denn sie/wir sind es, die diese Kriege kämpfen und daher ermöglichen. 

Und wir können sie somit auch beenden.

Wenn wir aufwachen, hören wir damit auf, unsere eigene Souveränität, Hoheit und Macht outzusourcen. Es gibt niemanden ‘da oben’, der uns aus diesem Schlamassel holt oder ihn in der Zukunft verhindert. Es ist die Aufgabe der Menschen. Kein Leader dieser Welt kann einen Krieg anzetteln, wenn er keine Soldaten hat, die für ihn in den Kampf ziehen. Kein Wirtschaftsmogul hat Macht ohne seine Mitarbeiter – und vor allem nicht ohne die Menschen, die seine Produkte oder Dienstleistungen kaufen. Und selbst der berühmteste Trainer der Welt hat keine Bedeutung ohne seine Spieler.

Vaterlandsverteidiger

Am Nachmittag hatte ich in Berlin zu tun. Auf dem Nachhauseweg war meine S-Bahnlinie unterbrochen und es regnete in Strömen. So lernte ich einen Taxifahrer kennen, der aus Aserbaidschan stammt. Während er mich und meine vollen Einkaufstaschen trocken nach Hause brachte, kamen wir ins Gespräch. Er diente in den 1990ern für drei Jahre in Deutschland in der russischen Armee. Dann haute er ab und schaffte es auf diese Weise, in Deutschland zu bleiben. Denn er wollte weder in Russland noch in Aserbaidschan stationiert und womöglich in den Bergkarabachkrieg mit Armenien involviert werden. Er sagte, es sei eine bescheuerte Auseinandersetzung gewesen, für die es sich nicht lohnte zu kämpfen. Ich verstand, dass er sich zwischen den Zeilen rechtfertigte: ‘Wäre es darum gegangen, mein Vaterland zu verteidigen, hätte ich meinen Mann gestanden.’ 

Ich glaube, es gibt in den meisten Männern dieses ‘Ehrgefühl’, das sagt, dass Frauen, Kinder und Vaterland verteidigt werden müssen. Es existiert in denen, die in der Ukraine vor dem Wehrdienst fliehen, denn sie schämen sich für ihre Flucht. Und es existiert in denen, die ‘freiwillig’ an die Front ziehen, weil sie glauben, sie hätten keine Wahl. 

Ich sprach vor einiger Zeit mit meinen Söhnen darüber. Alle drei sagen, sie wissen genau, wie sich das anfühlt. 

Was, wenn dieses ‘Gefühl’ nicht die Wahrheit sagt?

Leben und Leben hüten

Mein Sohn Leo fragte mich vor zwanzig Jahren, was aus meiner Sicht eine Frau und was ein Mann sei. Damals war er fünf Jahre alt. Ich fragte zurück, was er selbst darüber dachte. Und er antwortete mit festem Blick: Mama, ich glaube, Frauen sind das Leben, und Männer sind die Hüter des Lebens. Mich erschüttert sein Satz bis heute. Ich glaubte ihm jedes einzelne Wort. Inzwischen erfasse ich ihre Bedeutung auch viel tiefer als damals.

Hüter sind etwas anderes als Verteidiger, Beschützer oder Retter. Das Leben ist alles, was existiert. Und es ist alles andere als schwach. Hüter des Lebens, hüten das Leben in all seiner Vielfalt – in sich und in allen anderen. Sie ehren es. Sie nehmen es nicht. Und wenn sie Leben nehmen, tun sie es in Wertschätzung und Respekt.

Es geht um so viel mehr als Krieg und Frieden. Es stehen uns Bewusstseinsstürme und erdrutschmäßige Paradigmenwechsel ins Haus. Und wir stehen schon mitten drin. Und wir können das.

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WAS IST UNITY LEADERSHIP?
Unity Leadership ist Führung im Bewusstsein unserer Allverbundenheit – kein weiteres Konzept, sondern ein Prozess des Erinnerns und der Aktivierung. 
Alignment – innere Verbundenheit und Haltung – steht dabei vor jeder äußeren Handlung.
Unity Leadership zieht eine Zero-Tolerance-Line für Schuld und Projektion. Durch diese kompromisslose Verantwortungsübernahme verlieren alte, lebensverneinende Systeme ihre Kraft, wodurch Raum für individuelle, zukunftsfähige Lösungen auf einer mehrdimensionalen Ebene entsteht.