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Denken ohne Geländer

Welche Orientierung Hannah Arendt uns vor fast 50 Jahren für unsere heutige Welt hinterlassen hat.

Denken ohne Geländer ist mein aktueller Lieblingsausdruck.

Geprägt von Hannah Arendt (1906-1975), einer unserer großen politischen Philosophinnen des 20. Jahrhunderts.

Sie wollte damit ausdrücken, dass wir uns nicht mehr auf überlieferte Sicherheiten verlassen können. 

Und wie wichtig es daher für uns Menschen ist zu lernen, 

  • Sachverhalte völlig unvoreingenommen und ohne Zwang zu betrachten.
  • Realität zu verstehen, ohne sie in vorgefertigte, ideologische Systeme zu pressen.
  • Verantwortung für den eigenen, inneren Stand zu übernehmen, statt sich Autoritäten oder der Masse anzuschließen. 

Hannah Arendt hatte noch keine Ahnung von Künstlicher Intelligenz oder der Welt, in der wir heute leben. Aber sie gehörte zur Generation meiner Großeltern und kannte damit einen Teil der Welt, aus der wir kommen und der mein Leben und das aller Nachkriegsgenerationen geprägt hat, nur zu gut.

Ich halte die Orientierung, die sie uns mit Denken ohne Geländer hinterlassen hat, für absolut richtungsweisend und zeitlos. Mir erscheint sie sogar wie ein Geschenk aus einer noch nicht ganz so fernen Zeit an uns Menschen unserer Zeit.

Und vielleicht sind wir jetzt hier, um dieses Geschenk anzunehmen und daraus ein noch viel größeres für unsere nachfolgenden Generation zu machen. 

Was ich heute nach drei Jahrzehnten der Arbeit mit Menschen sowie der Leadership- und Bewusstseinsforschung dazu beitragen kann, ist dies: 

Um diese Qualität des Denkens zu entwickeln, braucht es ein klares Bewusstsein für unsere Verbundenheit. 

Denn nichts in dieser Welt ist von einander getrennt. Es scheint nur so, solange wir noch mit Geländer denken. 

Warum ist das Bewusstsein für unsere Verbundenheit wesentlich für ein Denken, das ohne Gewissheiten, Ideologien und automatische Anpassung lebt?

Zum Beispiel hier auf Substack: Wenn Dir jemand gefällt, freust Du Dich.

Bist Du Dir dabei auch bewusst, dass Du gerade einen Aspekt Deiner selbst im anderen Menschen erkennst?

Und wenn Dir hier jemand nicht gefällt, ärgerst Du Dich vielleicht.

Bist Du Dir dann bewusst, dass der Trigger im Außen gerade auf einen Aspekt in Dir selbst hinweist? Das würde Dich aus der einfachen Reaktion in den Fahrersitz zurückbringen. Du hättest die Chance, einen Teil Deiner Lebensenergie zurückzugewinnen, der in diesem Trigger gebunkert ist. Und Du könntest, statt die unerwünschte Energie, die bei Dir ankommt, einfach nur zurückzuspielen und sie damit fortzusetzen, etwas Neues kreieren und ins Spiel geben. Ob Du es dann aussprichst oder nicht, wird fast zur Nebensache. Denn Du hast die Kette der Reaktion unterbrochen. Und jetzt bist Du jemand, der Antworten hat, die nur geländerfrei entstehen.

Diese Zusammenhänge im eigenen Verstand zumindest als Möglichkeit zuzulassen, ist der erste Schritt, um überhaupt in die Nähe eines Denkens ohne Geländer zu gelangen. Und hier beginnt das Abenteuer erst.

Du denkst, Du kannst ohne Geländer denken? Dann würde ich Dich gern kennenlernen. Denn genau um diese Art von Denken und ihre Konsequenzen für unser Leben drehten sich meine ersten 60 Lebensjahre. 

In meiner zweiten Lebenshälfte widme ich mich nun der Verfeinerung dessen, was ich bis heute an innerer und äußerer Architektur für mich und mit den Menschen, die mit mir arbeiten, im Dienste eines Denkens ohne Geländer entwickeln durfte. 

Und ich glaube, Denken ohne Geländer – in meiner Sprache: Entscheidungen im Bewusstsein der Realität der Verbundenheit treffen zu können – ist kein Diplom, das wir uns irgendwann an die Wand hängen, sondern ein Evolutionsprozess, der ein Leben lang währt.

Die Entwicklung eines Denkens ohne Geländer lässt sich messen. 

  • An der Erfahrung inneren und äußeren Friedens. 
  • Am Erleben innerer und äußerer Klarheit. 
  • An der Beständigkeit der Liebe im eigenen Inneren, die keine äußeren Bedingungen braucht, um zu sein. 

Und das ist keine Frage des Alters. Die Chancen, im Alter dorthin zu gelangen, sind zwar unbestritten. Doch wir können Denken ohne Geländer in jedem Alter erreichen bzw. mit der Entwicklung unserer inneren und äußeren Kapazitäten dafür beginnen. 

Und es bleibt eine Frage des Bewusstseins. Nicht der Lebensjahre.