Manchmal reicht meditieren und beten nicht.
Manchmal müssen wir die Drachen reiten.
Die Zeit der Kriege und der Gewalt ist längst vorbei.
Jetzt geht es darum, die Feuer zu löschen, die noch immer unsere menschliche Integrität verletzen. Und für alle von uns, bei denen diese einfache Tatsache noch nicht vollständig ins Bewusstsein gedrungen ist, ist es Zeit, klar zu werden.
Ich bin eine deutsche Frau. Ich bin Mutter von drei Söhnen und war 30 Jahre lang Ehefrau ihres russischen Vaters. Während ich mir all der Liebe bewusst bin, die wir beide teilen, erkenne ich auch an, dass Krieg in unserer Ehe in vielerlei Hinsicht immer präsent war. Während ich dies schrieb, bereiteten sich mein Vater in Deutschland und mein Schwiegervater in Russland darauf vor, ihre Körper zu verlassen. Beide wurden während des Zweiten Weltkriegs geboren. Immer lebten sie, wenn auch in relativem Wohlstand, in einer mehr oder weniger bewussten subtilen Angst vor Mangel, Krankheit, Angriffen und Schuld.
Und das Geheimnis tiefer intimer Beziehungen mit den Menschen, die sie am meisten lieben, blieb ihnen bisher verborgen. Ich stehe heute hier als ihre Tochter und als Erdenbürgerin. Und ich will teilen, was ich unerschütterlich über das Leben und Sterben auf der Erde weiß.
Frauen sind Leben und schenken Leben. Männer sind Hüter des Lebens und schützen es.
Meine Söhne sind durch mich zur Welt gekommen, um integre, liebevolle Hüter und Gärtner des Planeten Erde und der schönen Körper und Seelen der Menschen, die sie lieben, zu sein. Sie sind – wie alle Söhne – vom Leben selbst dazu bestimmt, sich um das Leben zu kümmern – niemals geht es darum, Leben vorzeitig zu nehmen. Jede Frau weiß das intuitiv.
Der Tod ist ein natürlicher Prozess, der eintritt, wenn eine Seele beschließt, dass sie alles erlebt hat, was sie auf diesem Planeten erleben wollte, und zur nächsten Herausforderung übergehen will. Der Tod war nie dazu gedacht, fühlenden Wesen von anderen fühlenden Wesen angetan zu werden. Das Leben ist heilig. Und der Tod ist es auch. Jeder Mann weiß das intuitiv.
Leben und Sterben sind zwei Seiten des Lebens, die zusammengehören. Als Mensch – das heißt, als spirituelles Wesen in einem menschlichen Körper – weiß ich, dass der Tod nicht das Ende des Lebens ist, sondern ein Übergang in eine neue Form. Als solcher ist er nichts Schreckliches. Er ist ein Grund zum Feiern, wie jeder Übergang.
Gleichzeitig weiß ich mit jeder Zelle meines Körpers, dass es im Leben nicht ums Sterben geht. Im Leben auf dieser Erde geht es darum, als Seele in einem Körper zu wachsen und zu gedeihen. Leben heißt leben. Und zu leben meint im Wesentlichen Frieden, Freude, Ausdehnung, Gesundheit, Wohlbefinden, Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit auf vielen Ebenen.
Unsere Vergangenheit hat uns mit Geschichten von Bedrohung, Niedergang, Verlust und Trennung geprägt.
Und diese alten Geschichten haben unsere natürliche Verbindung mit der Wahrheit dessen, wer wir sind und warum wir als Menschen hier sind, verzerrt. Diese Wahrheit, die wir gleich in Ungnade gefallener Drachen in den Kerkern unseres Unterbewusstseins vergessen haben, sehnt sich danach, gesehen und gelebt zu werden.
Und trotz der alten Prägungen, die immer noch einen großen Teil unseres Denkens, Fühlens, Redens und unserer Entscheidungen beherrschen, bewegen wir uns als Spezies unwiderruflich auf eine völlig neue Geschichte zu. Und wir tun dies in rasantem Tempo. Die meisten Menschen auf unserem Planeten sind sich dessen vielleicht noch nicht bewusst, jedoch ändert dies keineswegs unseren Kurs als Menschheit.
Unsere alten Geschichten haben eine gigantische Welle der Sehnsucht nach Frieden und Wohlstand kreiert, und uns Menschen unaufhaltsam motiviert, das für ihre Umsetzung notwendige Wissen zusammenzutragen und anzuwenden.
Drachen der Vergangenheit, wir sind hier um Euch zu zähmen! Und Ihr werdet es lieben.
Frauen, geht in Führung und löscht mit mir die Feuer von Gewalt und Ignoranz überall dort, wo wir unsere Liebe und Integrität bisher noch zurückgehalten haben.
Männer, erinnert euch an eure wahre Mission auf Erden und steht unübersehbar an unserer Seite als die Hüter des Lebens, die ihr seid und immer sein wolltet.
Wir schreiben das 21. Jahrhundert. Wir als Menschheit wissen längst, wie es geht.
Antworten und Lösungen auf unsere wichtigsten Fragen sind schon seit langer Zeit vorhanden. Wir brauchen sie nur anzuwenden. Und wir müssen nicht erst alles in Schutt und Asche legen, um damit zu beginnen.
Lege mit mir jede Handlung und jede Berichterstattung nieder, die nicht direkt dem Leben dient. Halte inne, atme, spüre das Leben in Dir. Von hier aus beziehe unmissverständlich Stellung für das Leben. Nur Du weißt, was das für Dich bedeutet. Bis alle Waffen schweigen.
Die Verantwortung und die Macht, den Wandel zu vollziehen, liegt bei jedem einzelnen von uns. Ich schlage vor, das Wagnis einzugehen, uns den verbannten Drachen in uns selbst zu stellen. Und der tief verwurzelten Scham und Schuld darüber, dass wir nicht die leben, die wir wirklich sind. Scham und Schuld, weil wir töten und kämpfen. Scham und Schuld dafür, dass wir nicht töten und kämpfen wollen. Scham und Schuld, weil wir uns falsch fühlen oder glauben, machtlos zu sein. Scham und Schuld, weil wir uns als mehr oder weniger betrachten als andere. Scham und Schuld, weil wir hassen. Scham und Schuld, weil wir lieben, während alle anderen hassen.
Scham und Schuld bewachen die Schätze unter den Klauen unserer inneren Drachen. Doch sobald wir sie sanft und respektvoll vor uns auf den Tisch legen, werden sie sich unter unserem offenen, liebevollen Blick, wie Sonne, die die Wolken klärt, in reine Lebensenergie verwandeln – vibrierend, schön, ein Fest an Empfindungen, Farben und Klängen.
Und wir erlösen die großartigen Wesen, die wir sind, ausgestattet mit der Fähigkeit, die Welt jeden Tag zu einem besseren Ort zu machen.
Nichts anderes wird uns auf Dauer befrieden und erfüllen, als diese tiefe Erinnerung an unsere Wahrheit als menschliche Wesen.
Zu diesem Text inspirierte mich der russische Fantasy Film Dragon – Love is a Scary Tale aus dem Jahr 2015, Originaltitel: On – drakon, des russischen Regisseurs, Drehbuchautors und Storyboard-Künstlers Indar Dzendubaev, der mit seinem Regiedebüt für dieses Werk weltbekannt wurde.
Er erschien ursprünglich in 2022 auf www.newslichter.de.
