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Manchmal fühle ich mich allein

Und der Fisch stinkt immer vom Kopf

Die Sache mit den Gefühlen ist schon so eine Sache. In dieser Zeit kocht so manch eines hoch, an das wir uns vielleicht bisher noch niemals wirklich herangewagt haben. Und selbst in innerer Arbeit erfahrene Menschen, Menschen mit starker spiritueller Verbindung und stabiler Erdung erleben sich im Augenblick zunehmend auf neuem, unbekanntem innerem und äußerem Terrain und immer wieder in Übergängen. So auch ich. Und es liegt in der Natur der Sache, dass sich das instabil und unsicher anfühlt. Doch das ist nicht das Ende der Geschichte.

Okzitanien hat mich bewegt.

Vor ein paar Tagen kam ich wieder von einer längeren Zeit in Okzitanien, Südfrankreich, zurück. Wie immer bin ich erfüllt von der Schönheit und Integrität der Natur, dem mit Liebe gefüllten Essen, der Convivialité – dem lebendigen Zusammensein von Menschen und Tieren – bei Tisch und in den Straßen. Dem Licht, den Farben und vom Klang der französischen Sprache, des Windes, des Wassers und der Berge – alles Energien, die mich bewegen und nähren. Und mein Leben ist reich an echter Verbindung wie vielleicht noch nie zuvor. Umso mehr erschreckte es mich, als ich heute morgen in einem fetten Gefühl von Allein-Sein landete. Es zog in mir auf wie dicke Wolken am Himmel. Und es war so stark, dass ich zunächst dachte, ich könne es nicht halten.

Dem vorausgegangen war gestern Abend eine bewusste Wahl, bestimmten Verhaltensweisen und damit auch einem konkreten Menschen in meinem Leben keinen Raum und keine Energie mehr zu schenken. Meine Standards für Beziehung konsequent zu halten. Mich, meine Verbindung zu mir selbst und das Leben, das ich heute für mich jeden Tag kreiere so sehr zu respektieren, dass ich nicht mehr darauf warte oder dafür kämpfe, dass es andere tun. Nicht aus der Wut. Nicht aus Ohnmacht, Rache oder Angst. Aus innerem Frieden, Würde, Klarheit und Freiheit heraus. Damit stieg eine tiefe Ruhe mir auf. Ich ließ meiner Wahl konkrete Handlungen folgen. Und ich schlief wie ein Murmeltier.

Wie allein kann ich sein?

Mein erster Impuls war, das Allein-Sein zu übertünchen mit ‘besseren’ Gefühlen. Dann wurde mir bewusst, wie lange Allein-Sein schon in mir lebt. Und wie sehr ich immer davor geflohen war bzw. wie virtuos ich darin wurde, es zu kompensieren – durch viele, nicht unbedingt immer sehr bewusst gewählte Kontakte, zahlreiche Worte, wahlloses Essen, vor langer Zeit sogar auch viel Kaffee, Shopping und regelmäßige Dramen.

Heute war es anders. So, als würde etwas in mir sagen “Oh, wow! Da ist es wieder.” Und statt wie gewohnt unbewusst mit Fight, Flight oder Freeze zu reagieren, gingen in mir alle Türen auf. Ich entschied mich wach, mein Herz und meinen Verstand und meinen ganzen Körper für die Erfahrung offen zu halten. Tränen liefen, meine Kehle ging zu. Und ich betrat freiwillig und sogar ein bisschen neugierig diesen vertrauten, uralten, noch ziemlich engen, dunklen Raum in mir, der wie eine verlassene Speisekammer wirkte. Nicht mehr bedrohlich. Nur still. Ich ließ die Tränen laufen. Und beobachtete mich selbst. Bis der Raum sich weitete. Und von einem Moment auf den nächsten fühlte ich mich wie in einem riesigen Spielzeugladen – verbunden mit einer Unmenge von Eindrücken, Wesen und Farben. Und mein Allein-Sein wandelte sich über ein Gefühl des Ganz-Ich-Seins zu einer Erfahrung des All-Eins-Seins. Ich bin nicht sicher, ob Worte das auszudrücken vermögen, was ich erlebte. Während ich schreibe, staune ich noch immer.

Inmitten von Tränen entdeckte ich, dass es in mir ein unbesiegbares Lächeln gab.

– Albert Camus

Vor vielen Jahren schrieb ich bereits darüber, dass Allein-Sein ein Tor ins All-Eins-Sein ist. Und andere schrieben es längst vor mir. Und ich schrieb auch darüber, dass unsere Gefühle immer sowohl Indikator für den Zustand unserer Verbindung mit uns selbst/unserer Seele als auch zugleich Einladung in ein höheres Level an Verbindung, Energie und Power sind. Doch meine heutige Erfahrung ging weit über mein mentales Verständnis dieser Zusammenhänge hinaus. Jetzt sitze ich hier auf dem Sofa in meinem Arbeitszimmer mit meinem All-Eins-Sein, fühle mich mit Euch und der Welt verbunden und schreibe für uns. Meine Füße sind dabei ein bisschen kalt geworden. Und in meinem Herzen ist es ganz warm.

Es ist wichtig, zu fühlen, Leute.

Gefühle sind unser Navigationssystem auf der Reise durch unser Leben und unseren Alltag. Sie sagen uns, wo wir in der Verbindung zu uns selbst stehen. Nicht mehr und nicht weniger. Sie geben uns nicht wirklich Auskunft über unsere äußere Welt. Denn unsere Sicht auf unsere äußere Welt wandelt sich je nach Zustand unserer Verbindung im Innen. Ja, genau. Unsere Wahrnehmung der Welt ist nicht abhängig von der Welt. Sie ist abhängig vom Zustand unserer Verbindung mit uns selbst. Und wie nah oder fern wir uns gerade sind, sagt uns – unser Gefühl.

Es ist wichtig zu fühlen, Leute. Es ist wesentlich, sich auf unsere Gefühle einzulassen. Ohne dabei, die damit verbundenen, alten und nicht mehr dienlichen Geschichten weiter zu bedienen. Fühlen braucht Präsenz, ein waches Erfahren dessen, was gerade wirklich ist, durch unsere Sinne und im Körper. Sobald die Präsenz fehlt, wird Fühlen zum Drama, in dem Fight-Flight-Freeze regiert. Wir füttern die mit den Gefühlen verbundenen alten Geschichten, ziehen uns in den Kopf zurück und trennen uns damit von unseren Körpern und Herzen. Wir urteilen, kämpfen, fliehen oder stellen uns dumm, taub, tot. Im Drama werden wir wirr. Wir verlieren unsere Klarheit, unsere Liebe, unseren Frieden und unsere Urteilsfähigkeit – und damit unsere Fähigkeit und unser Geburtsrecht zu wählen. So geben wir unsere Freiheit, unseren ganzheitlichen Wohlstand und unseren Fokus auf. Unseren Fokus auf das, was in unserem Leben Wert besitzt und uns mit Sinn erfüllt. Zugunsten extremer, kurzfristiger Adrinalin-Shots, die uns Lebendigkeit vorgaukeln, und für eine erzwungene Konformität oder Harmonie, die uns Nähe und Sicherheit versprechen. Doch Zwang ist niemals nah noch sicher.

Jedes Gefühl schenkt uns Führung.

Es gibt keine guten oder schlechten Gefühle. Es gibt Gefühle. Und Gefühle sind Energie. Wer niemals bewusst Machtlosigkeit, Ohnmacht und tiefe Existenzangst zitternd, starr und eiskalt schwitzend am eigenen Leib erlebt, weiß nicht, wie sich wahre Macht oder glücklich summende Lebendigkeit und Sinnlichkeit im eigenen Inneren anfühlt. Wer niemals wach in sich erfährt, wie Energien von Schuld, Scham und Angst die Kehle verengen, den Brustkorb verknoten, wie sie den Atem abflachen, Nacken und Schultern zusammenziehen oder Bauch und Becken in einen Felsblock verwandeln, der wird niemals wissen, wie sich tiefes, göttliches Getragen-Sein und bedingungslose Freiheit im eigenen System anfühlen. Und wie gesegnet ist die Mehrheit der Menschen, weil sie diese Erfahrungen grundsätzlich meist unter Umständen machen können, die sich zwar existentiell anfühlen. Doch wir haben in diesem Moment ein Dach über dem Kopf. Es wird nicht auf uns geschossen. Und der Kühlschrank ist voll.

Gefühle sind, wie alles, was existiert, Energie in Bewegung. Jedes Gefühl hat sein Gegenüber, ohne das es in dieser Welt nicht existieren kann. Und ohne diese Polarität und die Bewegung zwischen den Polen endet unsere Entwicklung. Sobald wir das begreifen und verinnerlichen, können wir jedem Aspekt einer Energie respektvoll und auf Augenhöhe begegnen. Das heißt, wir verzichten zunehmend auf Urteil, Schuldzuweisung, Kampf, Flucht oder Leugnung. Wir lernen wach zu unterscheiden. Und wir werden wieder frei, zu wählen.

Sobald uns dies mit und in uns selbst gelingt, gelingt es uns auch in unseren Beziehungen und Umständen im Außen.

Das ist Unity Leadership – Führung, die sich über inneres Alignment den Zugang zu einer Intelligenz und Power erschließt, welche unsere hochkomplexen menschlichen, irdischen und kosmischen Energiefelder und ihre vielfältigen Verflechtungen zum höchsten Besten und unter Wahrung der Integrität aller Beteiligten orchestriert, wie kein Verstand und keine künstliche Intelligenz es je vermag. Von hier aus siehst Du Dich und alle Anderen wirklich. Und Du kennst Deinen nächsten Schritt.

Der Fisch stinkt immer vom Kopf.

Falls in Deinem Leben gerade Umstände am Werk sind, die Dich aus der inneren Balance holen. Wenn sich in Dir gerade Gefühle breitmachen, von denen Du glaubst, dass es unmöglich sei, sie zu fühlen, ohne dabei umzukommen. Dann nimm die Einladung an. Und übernimm die Führung. Es sind nicht die Umstände, die Schmerzen in Dir verursachen. Der Schmerz zeigt nur an, wie weit Du Dich in einem bestimmten Moment, einem Lebensbereich, einer Beziehung oder grundsätzlich von Dir selbst und Deiner Seele entfernt hast. Doch der Weg zurück zu Dir ist niemals zu weit und jederzeit möglich. Sobald Du die Führung übernimmst, anstatt weiterhin Deine Integrität zu kompromittieren und Deine Power outzusourcen, indem Du dem Leben, der Regierung, Deinem Partner, Deinen Eltern, ‘ungeratenen’ Kindern, Deinem Bankkonto oder mangelnder Gesundheit die Schuld an Deinen Schmerz und damit die Macht, ihn aufrecht zu halten oder zu heilen, gibst.

Schmerz lädt Dich ein, die Führung zu übernehmen oder Deine Führungskraft zu weiten. Fühlen und Präsenz sind dabei die Technologie der Wahl. Wenn Du andere Menschen führst, sind Dein Verständnis dieser Prinzipien des Lebens und Deine Fähigkeit sie konsequent für Dich umzusetzen, der Boden auf dem Eure Beziehungen und Eure gemeinsamen Unternehmungen sicher und nachhaltig wachsen können. 

Jeder Versuch, Schmerz im Außen zu regeln oder gar zu killen hat keinen Bestand und produziert immer unerwünschte Nebenwirkungen. 

Irgendjemand hat einmal gesagt “Der Fisch stinkt immer vom Kopf”. Und das stimmt. 

Also, egal, was wir sonst noch tun – wir müssen dahin gehen, wo wir die Macht haben. Und dies ist niemals ein Ort außerhalb von uns.